Hard to Say Goodbye, Australia

hard to say goodbye, australia, bett, LaptopVor ziemlich genau einem Jahr bin ich nach drei Monaten Australien zurück nach Deutschland geflogen. Das stimmt mich derzeit etwas traurig, weil ich in Down Under mein Backpacker-Ich kennen und lieben gelernt habe. Ich würde fast soweit gehen, zu sagen, Australien ist die Heimat meines Herzens geworden und mit dem Verlassen dieses wundervollen Kontinents ist ein Stück davon zurück geblieben.

Ich stöbere also ein Jahr nach der "Rückkehr" in meinen OZ-Erinnerungen und stolpere über diesen Text. Komisch ist es, wenn man die Gedanken zu etwas liest, die man niedergeschrieben hat, bevor "es" geschehen ist – in diesem Falle mein Rückflug. Heute, mit dem Wissen, wie es tatsächlich ist, nach Hause zu kommen, liest der Post sich beinahe wie aus der Sicht des allwissenden Erzählers – so wie wir es aus Filmen oder Büchern kennen. Und aus der allwissenden Sicht heraus sage ich der Vicky, die ein Jahr jünger ist als ich: Deine Angst vor dem Post-Travel-Blues ist angebracht. Denn nach einer Zeit, in der man die Angst vor dem Alleinsein, vor gefährlichen Tieren, Fallschirmsprüngen, Hostels und dem Respekt vor, ja, ziemlich genau allem überwunden hat, ist es tatsächlich komisch, verändert und gestärkt zurückzukommen und alles so vorzufinden, wie es schon gewesen ist.

Ich würde meinem jüngeren Ich aber auch sagen: Sei nicht traurig, dass es vorbei ist. Freue dich, dass du den Mut hattest, deine Ängste zu überwinden und sei dankbar, dass du die Zeit im Nachhinein als die wertvollste deines Lebens empfinden wirst. In diesem Sinne möchte ich heute, Ende Januar 2017, euch gerne meinen Text noch einmal nahe legen, den ich vor meinem Rückflug geschrieben habe: 

Zurück kommen. Nach Hause kommen. Es sind noch genau sieben Tage, die ich in Australien bin. Dann trete ich nach drei Monaten hier den Rückflug an. Ich kann es irgendwie gar nicht fassen, geschweige denn greifen. Und ich habe Angst vor dem Post-Travel-Blues.

Seit einigen Wochen habe ich schon dieses komische Gefühl im Bauch. Zu wissen, dass es zurück ins kalte und graue Deutschland geht, dass ich bald ins Flugzeug steige, das mich einfach weg bringt, macht mich nervös. Weg von Sonne, Wärme, entspannten Menschen und weg aus meiner Australien-Bubble, die irgendwie so schön gemütlich ist. So rosarot und voller Lebensfreude, voller Sommersprossen, Salzwasser im Haar und zerrissenen Shorts. Das alles lasse ich dann hinter mir. Lieb gewonnene Dinge, die ich eigentlich nicht missen möchte, werden auf einmal weg sein. Unfassbare 15.000 km weit weg. Und die Erinnerung an drei Monate, in denen ich die East- und Westcoast bereist habe, verblasst mit jedem Kilometer, den ich dieses traumhafte Land hinter mir lasse. Das Easy Life schimpft sich in Germany dann auf einmal wieder Alltag. Und mein Leben, das ich hier angefangen habe, aufzubauen, existiert dann nur noch als Haken auf meiner Reise-To-Do-Liste. Der Melbourne typische Wind wird gegen die steife Brise eingetauscht und der hellgrau hinterlegte "Friends"-Button auf Facebook ist dann das einzige, was mich zu den Leuten hier verbinden wird.

Anstatt ein Corona mit Limette im Flaschenhals zu trinken, dabei mit den Füßen im Sand und den letzten Strahlen der Sonne auf der Nase, sitze ich abends dann wieder auf der Couch. Mit meinen zwei Wärmflaschen auf dem Schoß und sehe meinen Sommersprossen beim Verschwinden zu. Und ich fange wieder an TV zu schauen, was ich hier nie gemacht habe. Höchstwahrscheinlich GZSZ. Und wie immer wird es sich nach drei Minuten so anfühlen, als hätte ich nie auch nur eine Szene verpasst (wie machen die das bloß...?).

Zu Hause sind natürlich auch Menschen, die mich lieben, die ich liebe. Zu Hause ist meine Base, meine Heimat, mein Joballtag, den ich toll finde. Aber hat man es sich in einem warmen und freundlichen Land erst einmal häuslich eingerichtet, dann ist der Abschied verständlicherweise schwer. Oder? Oder stelle ich es mir nur so schwer vor? Aber je leichter und glücklicher sich die letzten Tage hier gestalten, desto schwerer wird mein Herz. Aber vielleicht gehe ich in meinem zurück gewonnenen Alltag ja auch total auf und sehe meine Zeit hier nur als tolle Bereicherung – eine Erfahrung, die ich immer im Herzen tragen werde. Trotzdem: Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich echt Angst vor dem Post-Travel-Blues habe.

Denn nach dieser Zeit voller „Wunder“ und einer Welt, von der ich vorher nicht glauben konnte, dass sie so schön, vielfältig und atemberaubend ist, sitze ich dann auf einmal wieder auf meiner Couch und nichts hat sich verändert. Ich habe mich vielleicht verändert, weiterentwickelt. Und so gehe ich automatisch davon aus, dass auch das Gewohnte neue Facetten aufweist. Aber wahrscheinlich wird es nicht so sein. Wahrscheinlich wird einfach alles so sein wie immer. Alleine Reisen soll schwer sein? Nach Hause Kommen soll härter sein, als zu gehen. Ich werde es sehen. In genau sieben Tagen.

5 comments

  1. Krissisophie

    Ich war 2015 3 Monate in Amerika und zuhause sein hat sich dann auch total komisch angefühlt. Aber ich trage die Erinnerungen an die tolle Zeit immer bei mir,in meinem Herzen und in meinem Kopf und das ist das Wichtigste! :)

    Schaut doch gerne auch mal auf meinem Blog vorbei! Er ist neu und ich freue mich über jeden Besucher/Leser.
    http://themarquisediamond.de/

    Liebe Grüße,
    Krissisophie

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  2. Svenja

    Meine Reise ging 17 Monate und hat von Australien über Vietnam quer durch Asien - wo ich viele Länder besucht habe - geführt. Ich bin fürs Studium zurück in die Heimat gekommen und versuche meinen Bachelor irgendwie in Berlin hinzukriegen. Aber irgendwie will das nichts werde - es hält mich nicht länger als 3 Monate in dieser Stadt obwohl sie sehr schön ist! ich bin ständig im Ausland am Reisen - ein Fernstudium wäre für mich vermutlich besser gewesen. ich wünsche dir viel spaß und genieß die restliche Zeit sehr gut!

    Lg. von Svenja aus Berlin | http://www.sunrise-yoga.de

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  3. Kati

    Ich bin seit Sonntag auch wieder im kalten Deutschland nach 3,5 Monaten Reise durch Thailand, Kambodscha und Vietnam. Es fühlt sich jetzt, 3 Tage später schon so an, als wäre ich nie weg gewesen. Ich wünschte ich könnte mich jetzt gleich wieder ins Flugzeug setzen und zurückkehren. Ich erkenne hier die Geldscheine kaum wieder (die 20€-Scheine sehen inzwischen ganz anders aus...) und ich hab sogar Probleme damit, mich dem geordneten Verkehr anzupassen. Und dann dieser Schnee, der graue Himmel,... habe das Gefühl, dass mir jetzt schon alles auf den Kopf fällt...
    Genieße noch deine letzten Tage in vollen Zügen! Es wird schrecklich werden...

    Ganz liebe Grüße, Kati

    P.S. hab gerade erst deinen Blog entdeckt - wunderbar :)

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  4. Krissisophie

    Krass,in 3 Tagen geht's für dich zurück nachhause. Schon alles gepackt? Es wird bestimmt erstmal komisch sein,wieder zuhause zu sein. Aber glaub mir-man gewöhnt sich dran und bald ist es als wäre man nie weg gewesen. So vom Feeling her. Die Erinnerungen und tollen Momente hat man natürlich immer in seinem Kopf und Herzen. :) Ich wünsche dir einen guten Flug,komm gut und vor allem heil zuhause an! :)

    Wer möchte kann auch sehr gerne mal auf meinem Blog vorbeischauen. Ich freue mich über jeden Leser.
    http://themarquisediamond.de/

    Liebe Grüße,
    Krissisophie

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