Auf der Suche nach dem wahren Glück

Pony, Frisur, Haare, Vicky Wanka
Alle wollen es haben – dabei tut jeder so, als ob er es bereits besitzen würde. Es geht um das Glück!

Um uns als glücklich bezeichnen zu können, machen wir alle Dinge, die uns aussehen lassen, als wären wir es: wir kaufen uns Gegenstände, die wir nicht wirklich brauchen, machen uns zurecht, um Aufmerksamkeit zu bekommen – alles Dinge, um ein zweifelhaftes Glücksgefühl zu verspüren. Doch ist das wirklich "Glück" oder nur der verzweifelte Versuch, es endlich zu finden?

Wie komme ich auf dieses Thema? Ich war vor einigen Jahren in Miami. Morgens wache ich um 6 Uhr von dem laut vögelndem Paar im Nachbarzimmer auf. Ich nehm's gelassen, schließlich bin ich durch die Zeitverschiebung eh recht wach. Ich stehe auf und gehe an den Beach. Dort sitze ich mit ein paar anderen Schlaflosen und warte auf den Sonnenaufgang. Ich habe kein Internet und so kribbelt es mir auch nicht ständig in den Daumen, weil ich denke, ich könnte irgendetwas auf den sozialen Kanälen verpassen. Ich sitze einfach da und habe die Zeit komplett für mich.

Es wird langsam heller. Ich schaue lange Zeit den Möwen bei ihrem morgendlichen Treiben zu. Einige Menschen würden ihr Dasein wohl eher als unwichtig bezeichnen. Aber jede einzelne Möwe scheint für jeden Tag eine Aufgabe vor sich zu haben und diese zu verfolgen. Selbst, wenn dies für nächsten Stunden bedeutet: Korken aufsammeln, in die Luft fliegen, fallen lassen, Korken aufsammeln, in die Luft fliegen, fallen lassen (das tun sie nämlich tatsächlich am Beach von Florida)...

Ich versinke in meinen Gedanken, was Möwen den ganzen Tag so machen und wie sie dazu kommen, als auf einmal ein orange goldener Bogen am Ende des Meeres zum Vorschein kommt und in den nächsten Minuten die Sonne zum Vorschein bringt.

Ich bekomme am ganzen Körper Gänsehaut und mir kullert eine Träne von der Wange. Ich bin fasziniert von der unaussprechlichen Schönheit dieses simplen und natürlichen Moments wie er wohl seit milliarden Jahren schon stattfinden muss. Oh Mann, ja es klingt verdammt gefühlsduselig. Aber ich wollte das genau in diesem Moment des Sonnenaufgangs sein bzw. habe ich darüber nicht nachgedacht. Ich war es einfach. Ich war komplett unbeobachtet und alleine am Strand ohne jegliche Ablenkung verbunden mit der Natur. Ich habe diesen Augenblick mit dem ganzen Körper so gefühlt wie er wirklich war – in all seiner Reinheit und ohne Ablenkung.

Wenn ich euch jetzt meine eingangs gestellte Frage beantworten müsste, dann ist genau dieses oben beschriebene Gefühl während des Sonnenaufganges damals in Miami das reine Glück. Ein Moment, in dem nichts durch den Kopf geht und man die absolute Verbundenheit zu sich und der Natur spürt, im totalen Einklang mit den Wellen und sich selbst, ein Moment, in dem man sich nicht nur als Besucher, sondern als Teil dieses Ortes fühlt. Ihr seht also, ich denke, dass das Glück gar kein Dauerzustand sein kann. Denn wenn ich diesen Moment jeden Tag erleben könnte, würde ich dann noch so stark auf ihn reagieren? Ich kann euch diese Frage natürlich nicht zu 100% beantworten. Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass das Ansammeln von Dingen, die besessen werden müssen (wie Sachgegenstände, Männer oder Aufmerksamkeit) auf Dauer nicht glücklich machen, sondern uns nur einen Kick geben, der sich wie Glück anfühlt – ein euphorischer Zustand, der mit dem wahren Glücksgefühl verwechselt wird. Im Grunde ist diese Euphorie wie eine schöne Hülle, die einfach nur den faulen Kern verbirgt.

12 comments

  1. L-Frau

    Ich war gerade einen Monat auf Reisen in Thailand und hatte ein ähnliches Aha-Erlebnis. Ich bin zwar nicht so social media-vernarrt, aber dieser "Konsumzwang" hatte es mir ziemlich angetan - im schlechten Sinne. In Thailand war ich weit fern von meinen Freunden, meiner Stadt und vor allem diesem westlichen Konsum. Ja, in Thailand gibt es auch ganz viele Läden. Und Malls. Malls, soweit das Auge reicht. Aber weil ich zum einen nicht in die thailändischen Größen passe (ich bin in Deutschland eine 36 und fühlte mich in Bangkok wie das letzte Walross, hahaha) und zum anderen eh kein Thai verstehe, konnten mir die Werbungen und Modeläden nichts haben: Ich hab die Werbung nicht verstanden und die Kleidung hätte mir eh nicht gepasst. Zudem wohnte ich bei Freunden in einer recht untouristischen Gegend, die zwar mit vielen kleinen Cafés, Street Food und Restaurants gespickt war, aber das war es dann auch schon. Keine Läden, die mich zum Kaufen irgendwelcher Artikel überreden wollten. Und während dieses Monats fern von allem ist mir aufgefallen, wie egal mir all diese "Dinge" in meinem Leben wurden. Mehr und mehr sammelte ich das Glück aus kleinen Momenten, aus dem bunten Leben auf der Straße, der Sonne, meinem Essen, meinen Freunden, guten Unterhaltungen und dem "Hier sein". Zurück in London angekommen bin ich jetzt war wieder etwas zurück in der Konsumroutine (es ist schwer, dem zu widerstehen, wenn man in so einer Modemetropole lebt und dann auch noch Januar-Sale ist :D) - aber ich bin dem ganzen irgendwie viel lockerer entgegen eingestellt. Vor dieser Reise habe ich mich oft inadäquat gefühlt, mich mit den ganzen superreichen Studenten an meiner Uni verglichen. Habe mich mit meinem verglichen kleinen Studentenbudget oft schlecht gefühlt. Jetzt ist es mir einfach ziemlich egal geworden. Ja, ich kann mir nicht alles leisten. Ja, ich muss mir gewisse Dinge einfach aufsparen und kann sie mir nur als "Geschenk" ab und an gönnen. Aber das hält mich alles nicht davon ab, glücklich zu sein! Diese Reise hat echt geholfen, mich wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren: Ich habe ein gutes Leben mit tollen Freunden von überall auf der Welt (und ich bin überhaupt schon ziemlich privilegiert, dass ich überhaupt in London leben kann, wenn auch auf einem knappen Budget), führe regelmäßig unglaublich besondere Unterhaltungen (dank meiner tollen Uni <3), habe ein warmes Dach über dem Kopf, mit vielen Büchern, einem gemütlichem Zimmer... was mehr braucht man im Leben?! Und dann kommt auch noch hinzu, dass wir in Europa es unsäglich besser haben, also so manche andere Menschen auf der Welt.. klingt klischeehaft. Aber ich habe in Thailand zum ersten Mal in meinem Leben Slums gesehen - und da schienen mir jegliche meiner "Probleme" einfach nur bescheuert. Meine Probleme sind nicht existenziell. Ich habe ein Zuhause, genug Kleidung, genug Essen. Das ist viel mehr als man braucht. Alles andere, dieser Konsum, ist ein nettes keines Extra, aber es ist nicht zum glücklich machen da.
    Also in anderen Worten: Reisen ist top für die Seele :)

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    1. Vicky

      Das klingt nach einer ganz tollen Erfahrung. Und es ist eine schöne Einstellung, zu sagen, dass man Konsum als Add-On sieht, nicht als Must-Have. Danke, dass Du Deine Gedanken geteilt hast <3

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    2. Katharina

      Oh wow, das hört sich wunderbar an und spricht mich (im Moment noch stärker) sehr an. Auch ich versuche gerade, mich ein Wenig zu mäßigen und mit wachem Blick diesen ganzen Verlockungen (weitesgehend) zu widerstehen. Denn, wie Ihr Beide schon sagtet: Konsum in allen Ehren (und hin und wieder darf es ja auch gerne mal ein tolles Teil sein...) aber: dieses Gesuchte und Hinterhergehechel bei Zara, dem Schweden und Co...Ich habe es viele, viele Jahre so praktiziert. Habe auf Reisen verzichtet (verzichten müssen), weil das Geld für Konsumgüter drauf ging (wie traurig und dumm ist das bitte...??!), ich bin nun satt. Satt von all' diesem ganzen Kram, der aus meinen Schränken quillt. Und trotzdem ertappe ich mich immer mal wieder (ich lebe in Hamburg, und naja, Ihr wisst wie es ist...), dass es mich doch zu Zara und Co reinzieht, die Verlockungen lauern eben an jeder Ecke. Aber es wird besser. Denn dieser kurze Kick, nachdem man etwas "geshoppt" hat, bedeutet kein Glück. Glück bedeutet (für mich): Gesundheit und die Natur spüren; Menschen erleben... Hach ja. zum Glück habe ich gerade einen großen Karton für den Mädchenflohmarkt gepackt. Falls ich etwas davon verkaufen sollte, wird gereist und wenn es nur ein Wochenende in Berlin ist, oder so. Word. :-) Liebsten Gruß aus Hamburch, Katharina

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      1. Vicky

        Du hast so Recht. Ich habe auch ne Zeit lang soo viel Kram gekauft. Erinnere ich mich an ein einziges Teil zurück? Nein! Ich erinnere mich an Reisen, Freunde, Momente.

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  2. Maya

    Hey Vicky,

    interessanter Post und interessante Kommis dazu. Finde es gut, dass immer mehr Menschen so denken :)
    Ich habe während meines Auslandssemsters gerade gemerkt, dass ich echt mit wenigen Dingen/Klamotten aus komme und trotzdem nicht immer das gleiche an habe. War hier vllt 2-3 mal Kleidung kaufen.

    Ich finde es sogar total angenehm nicht so viel Kram zu besitzen. Daher freue ich mich schon, wenn ich zu Hause bin wird erst mal aussortiert und Trödelkisten gepackt. Nicht nur wenn man umzieht ist das wesentlich angenehmer wenig nicht so viel Kram zu besitzen:P

    süße Grüße Maya

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    1. Vicky

      Das mit dem Umziehen stimmt allerdings :-D Wenn ich ins Ausland gehe, werde ich auch so einiges verkaufen und nicht wieder anschaffen. Zumindest habe ich es mir vorgenommen :-))

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  3. Constanze

    Wahres Glück kann so viel sein.....für mich ist es, wenn ich bei starken Regen, Wind und Kälte auf dem Rad unterwegs bin und mich drüber ärgere, mir dann aber einfällt: würde ich krank irgendwo im Krankenhaus liegen (warum auch immer...), ich würde mir so sehr die jetzige Situation wünschen und ganz egal was sonst noch für Probleme gerade stattfinden. Man muss einfach nur mal die Perspektive ändern <3 Und schon kann ich mich sehr glücklich schätzen und wahres Glück empfinden!

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  4. Mumbai

    deine Gluecksbeschreibung uebertrifft alle Philosophen. Du hast es genau auf den Punkt gebracht, was
    diese schon sagten ...Glueck ist (Gott sei Dank) kein Dauerzustand. Man kann es weder festhalten noch
    lernen aber Zufriedenheit ist erlernbar wenn auch in einem laaaangen Prozess und es ist ein anhaltender
    Zustand.

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  5. Tschok

    So ein toller Beitrag! Es ist unausprechlich schwer solch kleinen Momente mit Glück in Verbindung zu setzen - ich finde es wunderbar, dass du es kannst. Viele Menschen wissen die Dinge die sie haben gar nicht zu schätzen, dabei muss man einfach mal "stehen" bleiben und um sich schauen um Momente zu finden, die einen glücklich machen <33

    Love, Tschok
    http://www.thedetsornfactory.com

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  6. Hella

    Ich finde es schade, dass ich selbst immer erst hinterher feststelle wie glücklich und schön es in einem Moment war, den ich vielleicht genau da nicht wirklich genossen habe - weißt du was ich meine? Aber ja, besonders am Meer, wenn der Wind ordentlich geht und man diese Naturgewalten spürt, fühle ich mich auch fast immer glücklich und vor allem frei!
    Liebe Grüße aus Peking,
    Hella von http://www.advance-your-style.de

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  7. Claudine

    Ein sehr schöner Artikel, der sicherlich nicht nur mich inspiriert mich mit dem THema mehr auseinanderzusetzen. Ich gebe dir und den Kommtatoren absolut Recht: Glück ist weder dauerhaft, noch materieller Natur. Konsum ist manchmal toll, aber auf Dauer auch zerstörerisch. Und bringt kein wirkiches Glück.
    xo ♥
    Claudine / http://www.claudinesroom.com

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