Schalt‘ mal einen Gang runter

sunset, sonnenuntergang, vicky wanka

Müßiggang. Alles etwas bewusster erleben, bewusster essen. Ganz intensiv meine Leute treffen. Aufhören auf die Uhr zu gucken. Qualität statt Quantität. Auch mal Events absagen, anstatt überall dabei zu sein und nie wirklich irgendwo anzukommen.

Es ist Freitagabend, viel zu spät, schon fast Mitternacht. Auf meiner To Do-Liste stehen ungelogen noch über 20 Punkte.  Es ist kein Ende in Sicht und die Augen werden auch immer kleiner. Ich habe ja bereits eine Hommage an die Nebenbei-Blogger geschrieben, die es schaffen, neben Studium und Job noch ihren Blog zu rocken. Das ist toll und bemerkenswert.

Aber im Trott merken wir manchmal gar nicht mehr, wie sehr wir auf "Funktionieren" umgeschaltet haben. Es funktioniert alles gut. Wir funktionieren. Von morgens bis abends. Von Montag bis Sonntag. Also machen wir einfach so weiter.

Die Arbeit ist mir wichtig. Aber es ist fast wichtiger, dabei nicht zu vergessen, was darüber hinaus noch zählt: Quality Time für mich, meine Freunde, in den Himmel schauen und an nichts denken, den ganzen Tag Serien gucken, um die Häuser ziehen ohne die Stimme im Hinterkopf zu haben: "Geh vor 1 ins Bett, morgen musst du wieder früh mit der Arbeit anfangen".

Zum Glück hat mein Ex-Freund irgendwann gesagt: "So geht es nicht weiter, Vicky". Wir haben unsere Sachen gepackt und sind nach Schweden gefahren. Ich hatte Laptop- und Handyverbot. Und genau da, in der idyllischsten Einöde Skandinaviens, hat es in mir "Klick" gemacht.

Nach diesem Digital Detox hat sich vor Allem ein normales Wach-/Müde-Gefühl bei mir eingestellt. Als ich meinen Körper dann im Alltag angekommen wieder bis oben mit Koffein pushen wollte, habe ich gemerkt: "Ne, nicht wieder so wie vorher, schalt' mal einen Gang runter, Mädel!"

Aber ich will als Kopfmensch Wollen und vor Allem: Wollen können! Ich will arbeiten, ich will viel machen, ich will viel zu tun haben. Trotzdem – es ist Zeit für einen Kompromiss gewesen und bin drei Monate nach Australien gegangen.

Klar, jetzt kann nicht jeder sofort alles stehen und liegen lassen und beispielsweise auswandern. Was ich euch damit aber an die Hand geben will: Achtet auf die Signale eures Körpers. Hört auf, euch nonstop Kaffee in die Maschinerie zu kippen und hinterfragt unsere gesellschaftlichen Werte. Es wird uns nämlich von Klein auf beigebracht, Müdigkeit und Bequemlichkeit wären der Feind. Sie seien unproduktiv, würden Schwäche zeigen und werden so in der Schule und am Arbeitsplatz nicht akzeptiert. Im Idealfall sollen wir dazu bereit sein, uns für alles und jeden aufzuopfern. Eben nur nicht für unser eigenes Leben und unsere Bedürfnisse. Denn diese bringen ja niemandem etwas, eben nur uns selbst. Dabei sind wir zu so viel mehr in der Lage zu geben, wenn wir erst an unserer eigenen Zufriedenheit arbeiten.

17 comments

  1. Iris

    Ein sehr guter Post, über den man öfter nachdenken sollte. Lustig finde ich nur, dass du dazu ein busy Bild gestellt hast: mit Handy am Ohr und wie "auf dem Sprung". Für sich ist das Bild aber sehr schön: die Jacke zu den Haaren - einfach toll. Ich verliebe mich immer mehr in deine neue Haarfarbe und das, was du damit machst.

    Antworten
    1. Vicky

      Danke Dir für die lieben Worte! Das Bild soll einen Kontrast darstellen - deswegen fiel meine Wahl auf ein "busy" Pictures :-)

      Antworten
  2. Fee

    Super Post! Wahre Worte, wir sollten alle etwas weniger von uns abverlangen :) Ich habe ein sehr zeitaufwändiges Studium, Freunde und Familie in zwei verschiedenen Städten, dazu noch den Blog und sonstiges.. Ich denke jeder kennt das Gefühl, wenn mal alles zuviel wird.

    Alles Liebe,
    Fee von Floral Fascination

    Antworten
    1. Vicky

      Das klingt ja auch mega zeitintensiv, besonders das Pendeln ist ja auch so ein nervenaufreibender Faktor. Aber wenn man die Zugfahrt zu nutzen weiss, ist es dann wiederum gewonnene Zeit, oder? :-)

      Antworten
  3. Marie

    du hast so recht. es ist wichtig im leben das zu machhen was einem wichtig ist da sollte man sich nicht reinquatschen lassen

    Antworten
    1. Vicky

      Liebe Sabine, ich finde es schade, wenn einige alte Texte so im Feed „verloren“ gehen – deswegen wollte ich ihn gerne noch einmal mit euch teilen, da dieser gerade sehr gut zu meinen aktuellen Gedanken passt :-)

      Antworten
  4. Maj-Britt

    Ich kann deinen Worten voll und ganz zustimmen. Ich neige auch dazu mir viel zu viel vorzunehmen und richtig abschalten kann ich auch nicht. Während der Woche kann nie gut einschlafen, aber wie auch, wenn ich 1. viel zu spät ins Bett gehe und 2. vor dem zu Bett gehen noch 1000 Dinge erledige... Meine eine Freundin meinte letztens mal zu mir, als ich ihr auf der Rückfahrt alles für die nächsten Klausuren vorgetragen habe: "Maj-Britt, du weißt schon, dass du nicht immer 100 % geben musst, oder?"
    Ich versuche dies einfach mehr zu beherzigen, aber manchmal finde ich das schon ziemlich schwierig.
    Danke Vicky, für diesen wundervollen Post!
    Alles Liebe,
    xxMaj-Britt

    https://majstatement.com/

    Antworten
Switch to English version

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Logged in as . Log out?

Oder .